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  • Kleinod
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  • Endlich war es soweit! Monatelang hatte ich gespart und geplant, um mir endlich mein Traum-Tattoo bei einem Meister dieser Kunst leisten zu können. Nur wenige bekamen die Gelegenheit, seine Nadel spüren zu dürfen, denn er lehnte jegliche Motive ab, die er als "minderwertig" ansah. Immerhin war er ein Künstler. Doch unter Dutzenden Vorschlägen hatte er mein Motiv auserwählt- solch eine Ehre. Nun würde ich endlich mein eigenes Körperbild vervollständigen können... Dann ist es soweit. Meine Freunde sind alle beisammen und ich zeige voller Stolz, was ich da auf und unter meiner Haut habe...
  • Kleinod bedeutet ursprünglich etwas Kleines, eine Kleinigkeit oder ein Gastgeschenk. Später wurde der Begriff für eine fein und zierlich gearbeitete Sache, ein zierliches Schmuckstück (Ring, Kette, Agraffe) und in wirklichem und übertragenem Sinn für alles Wertvolle verwendet. * in der Ordenskunde das Ordenszeichen, häufig in Kreuzform. * die Verzierung eines Ritterhelmes (Heraldik), Helmkleinod * auch ein Begriff in der Religion, in der es als Geschenk Gottes interpretiert werden kann. Quelle: * , vom 07.02.08, um 00:22.
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  • Endlich war es soweit! Monatelang hatte ich gespart und geplant, um mir endlich mein Traum-Tattoo bei einem Meister dieser Kunst leisten zu können. Nur wenige bekamen die Gelegenheit, seine Nadel spüren zu dürfen, denn er lehnte jegliche Motive ab, die er als "minderwertig" ansah. Immerhin war er ein Künstler. Doch unter Dutzenden Vorschlägen hatte er mein Motiv auserwählt- solch eine Ehre. Nun würde ich endlich mein eigenes Körperbild vervollständigen können... Die Sitzung war dann auch ein Erlebnis für sich. Jeder Stich fühlte sich an wie eine Liebkosung, ich konnte geradezu fühlen wie die Farbe Teil meines Körpers wurde, sich unter die Haut setzte und sich einrichtete, als wäre der Platz schon immer für sie bestimmt gewesen. Nie zuvor hatte ich eine derartige Kunstfertigkeit zu spüren bekommen. Es war geradezu magisch zu sehen, wie durch des Meisters Händen das Motiv unter meiner Haut zum Leben erwachte. Das Bild selbst sollte mein inneres Wesen darstellen- eine Mischung aus vielen Tieren und einigen fiktiven Zusätzen.Als er das Auge stach, war es, als würde ich mich selbst anblicken. Das mit scharfen Fängen bezahnte Maul schien nur darauf zu warten, mit mir allein zu sein, um mir endlich zuflüstern zu können, was ich mir selbst schon so lange verbarg. Nun konnte in die Augen des Leibes sehen, den glücklichen Ausdruck darin, fast als würde er unter Drogen stehen. Leckte mir verstohlen über die rasiermesserscharfen Fangzähne, als es den Blick abwandte und sich wieder auf den Meister konzentrierte, wie er gerade etwas undeutliches zu ihr sagte. Wahrscheinlich wie sie mich zu pflegen hatte. Das war immer äußerst wichtig.Nach vielen Stunden fühlte ich mich gleichzeitig ausgelaugt und voller Energie. Der Meister gab mir noch einige Ermahnungen mit auf den Weg- ich solle mich die nächsten Tage schonen, damit das Tattoo gut verheilen könne. Sorgfältig habe ich mein Tattoo gepflegt. Mit jedem Tag verheilt es ein Stück besser, fühlt sich langsam immer mehr als Teil von mir an, bis ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, wie diese Stelle überhaupt jemals leer gewesen sein konnte. Noch habe ich keinem Menschen gezeigt, was ich da nun auf meinem Körper habe- es ist fast so etwas wie Eifersucht, die mich davon abhält. Vielleicht ist es auch Eitelkeit. Ich möchte dieses spezielle Bild erst dann anderen zeigen, wenn es völlig verheilt ist und seine ganze Pracht entfaltet hat. Morgen ist es dann soweit. Ich werde meinen Freunden mein Kleinod zeigen. Als ich mich nachts zur Ruhe lege, streiche ich sanft darüber. "Gute Nacht, Augenstern. Morgen ist dein großer Tag" Vor lauter Aufregung habe ich sehr unruhig geschlafen. Ein wenig müde, beginne ich meinen Tag, dusche und creme mein Tattoo ein letztes Mal sorgfältig ein. Als meine Finger darüber streicheln, fühlt es sich anders an- jetzt ist es wirklich ein Teil von mir geworden. Ein solch innige Bindung hatte ich nicht erwartet, aber immerhin ist es auch etwas Besonderes. Glücklich lächle ich, als ich mich vor dem Spiegel drehe und wende, mich von allen Seiten betrachte und mir überlege, welches Kleidungsstück meinen Schatz am besten zur Geltung bringt. Ich entscheide mich für ein recht schlichtes schwarzes Kleid, welches die Einzigartigkeit meiner Körperverzierung noch hervorhebt. Dann ist es soweit. Meine Freunde sind alle beisammen und ich zeige voller Stolz, was ich da auf und unter meiner Haut habe... Diese Idioten, diese Hurensöhne, diese.... gnaaaaaaah. "Willst du den Typen nicht besser verklagen, das grenzt ja an Körperverletzung!"- wie können sie es wagen! I hre Stimme ist kehlig, laut, rau. Ganz anders als sonst. Sie hat die Fäuste geballt. Ihre Wut vermischt sich mit der meinen. Ihr ist nicht klar was geschieht, die Grenzen verschwinden, als ich weiter vordringe und sie mit immer mehr meiner Empfindungen füttere."Verschwindet! Nutzloses Gesindel! Und traut euch ja nicht noch einmal in meine Nähe solange ihr nicht verstanden habt was Es bedeutet!" Sie sind fort. Meine Freunde sind fort, gegangen, weil ich einen Wutanfall bekommen habe, als sie mein Tattoo kritisiert haben. Wie konnte ich mich so gehen lassen? Unter Tränen schaffe ich das Chaos beiseite, lese jede einzelne Scherbe vom Boden auf und kehre alles in den Müll. Ich fühle mich elend und enttäuscht. Elend, weil ich so heftig überreagiert habe und enttäuscht, weil niemand die Großartigkeit meines Kleinodes zu würdigen weiß- niemand außer mir und seinem Erschaffer, wie es mir scheint. Doch während ich mich in Selbstmitleid winde, kommt mir der Gedanke, dass es vielleicht die Schuld dieses Tattoos ist... Natürlich! Erst jetzt wird mir bewusst, mit was für oberflächlichen Menschen ich mich jahrelang umgeben habe. Ich stehe inmitten der Trümmer meines Wutausbruches und lache- lache befreit darüber, dass mich nun niemand mehr kleinmachen wird, nie wieder. Mein Tattoo wird mir die Dinge so zeigen, wie sie wirklich sind. Ich muss mich beeilen, viel Zeit habe ich nicht und alles muss perfekt vorbereitet sein, wenn meine ehemaligen Freunde- die noch nicht wissen, dass sie nicht länger meine Freunde sind- sich ein letztes Mal bei mir versammeln. "Erweise dich als würdig", hatte mir der Meister zum Abschied noch zugeraunt und genau das habe ich vor. Angespannt schaue ich auf den kleinen Tisch, auf den ich die Dinge vorbereitet habe, die ich benutzen will: da sind die dicken Stopfnadeln, einige Scherben vom zerschlagenen Porzellan, eine unbenutzte Nagelschere, mein altes Fahrtenmesser und- was vermutlich am wichtigsten ist- ein kleines Fläschchen mit einer ganz besonderen Farbe... Als es klingelt, werfe ich schnell einen meiner Schals über das Tischchen, schließlich will ich meine ehemals guten Freunde ja überraschen. Dann öffne ich die Tür, nachdem ich noch einen schnellen Blick auf mein Kleinod im Spiegel- es scheint vor Vorfreude zu pulsieren. Plötzlich erfasst mich eine Erregung, löscht jeden rationalen Gedanken aus. Wie auf Watte laufend begrüße ich mit glasigem Blick meine Opfer... Irgendwas stimmt nicht. Als ich vor meinen Freunden sitze, fühlt es sich an als wäre ich Zuschauer bei meinem eigenen Film. Ich höre mich reden, fühle, wie meine Gesichtszüge sich verändern, empfinde einen kranken Triumph in mir, der nicht zu mir zu gehören scheint. Und über all diesen Wahrnehmungen schiebt sich das nebelhafte Bild eines pulsierenden Auges, welches mich unentwegt anstarrt ohne zu blinzeln. Der Anblick macht mir Angst, erregt und beruhigt mich aber auch zugleich. Ich weiß, ich muss das hier nicht allein durchstehen und ich werde meine Vergeltung erhalten. Ich bekomme, was mir zusteht! Als ich mir die Stopfnadel in mein Knie ramme, registriere ich den Schmerz als eine ungewollte Störung. Das Auge starrt mich noch eindringlicher an, lässt mich den Schmerz abschütteln wie ein paar lästige Regentropfen auf der Haut. Voller Verlangen greife ich nach der nächsten Nadel. Ein Keuchen ist von meinen Freunden zu hören, als ich mir das kleine Stück Metall in den Oberarm jage. Zusätzliche Kraft durchströmt mich, ich greife schnell nach der nächsten Nadel, ramme sie mir in den Körper, ohne nachzudenken, wohin oder wieso. Bei der letzten Nadel gehe ich dann aber etwas bedächtiger vor. Ich ziehe mein Augenlid ein Stück nach vorne und durchbohre es mit der Stopfnadel. Ich muss lachen, denn die Nadel entzweit meine Sicht. Am ganzen Körper zitternd und mit schielendem Blick stehe ich auf, um mich meinen schockierten Freunden in all meiner Pracht zu zeigen... nun sind diese falschen Schlangen zu hypnotisierten Kaninchen geworden, die mich ungläubig und ängstlich anstarren. Nachdem ich mich ausreichend präsentiert habe, greife ich zu den Porzellanscherben. "Lasst mich euch ein Bild malen...", brabbele ich mit kaum vernehmbarer Stimme und setze an... Wut brennt in mir. Wut und etwas anderes, das Wort dafür verkriecht sich in meinem Hinterkopf, aber es ist mir in diesem Moment auch egal. Das Brennen geht von meinem Gesicht aus, ich kann geradezu fühlen, wie es meine Haut umspielt. Ich gieße ein wenig "Farbe" über die Scherbe, die neben mir liegt und betrachte völlig fasziniert, wie sie sich färbt. Einen Moment zögere ich, will den Moment einfangen. Blicke in die Runde und zeige mein schönstes Lächeln. Dann nehme ich die Scherbe und ramme mir die Porzellanstücke in den Mund. Zähne und scharfe Splitter vermischen sich mit Blut und Farbe. Meine Zunge fühlt sich an, als hätte sie gerade über eine scharfe Peperoni geleckt und das taube Gefühl gleitet langsam meinen Hals hinunter. Nun ist es Zeit für das Messer. Die Augen meiner Freunde sind auf mich gerichtet. Entsetzen liegt darin- und sowas wie Anerkennung. Ja, endlich begreifen sie, was ich wirklich bin. Ich tauche das Messer in die Farbe und beginne meinen Arm zu verschönern. Ich ziehe langsame filigrane Muster auf meinem Körper, lasse hier und da einen Tropfen Farbe darauf fallen. Meine Haut schält sich, löst sich auf. Nur mein Kleinod soll bis zum Schluss unversehrt bleiben. Kann kaum noch etwas erkennen. Rote Farbe zieht sich über meine Sicht. Ich höre ein leises metallisches Klappern, als sich die Stopfnadeln von ihrem Halt befreit lösen und zu Boden fallen. Der Schmerz tritt in den Vordergrund, wird stärker, übermannt mich. Ich beginne zu schreien, doch meine Kehle ist heiser, das Atmen fällt mir schwer. Panisch schaue ich nach, ob mein Tattoo unversehrt ist. Ein wenig Rot ist darübergelaufen, aber ansonsten ist es intakt. Beruhigt widme ich mich wieder meiner Wahrnehmung. Als ich an meinem Körper hinabschaue, wird mir schlagartig bewusst, was ich da getan habe. Ich habe mir die Haut vom Körper geschält, mich selbst verstümmelt, mein Leben dem Tode geweiht. "Aber...", bricht es aus mir heraus, das Wort ist angereichert mit kleinen Stücken von Zahn und Porzellan, es gleitet rau über meine Zunge und ist nicht mehr als ein sabberndes Glucksen. Hilfesuchend mache ich einen Schritt auf meine Freunde zu, blicke sie flehentlich an, strecke die Arme nach ihnen aus, um sie schneller zu erreichen. Meine Bewegung erlöst sie aus ihrer Angststarre. Wie eine Herde aufgeschreckter Schafe rennen sie auseinander, versuchen, möglichst weit weg von mir zu kommen. Allein- ich bin allein. Meine Freunde haben einen Ausgang gefunden, sie haben mich verlassen, mir gezeigt, wie wenig ich ihnen bedeute. Mein Kleinod hatte recht- wie oberflächlich sie doch waren. Mein Kleinod. Ich kann es nicht mehr spüren. Es ist fort! Als ich mich panisch bewege, um nachzusehen, gleite ich auf dem Boden aus, der mit dunklem Rot bedeckt ist- meinem Blut, wie mir in diesem Moment klar wird. "Wo...?", stammele ich, suche verzweifelt auf dem Boden, doch meine Sicht wird schwächer. Es wird dunkel um mich herum. Als ich mich ein letztes Mal aufbäume, trete ich den kleinen Tisch um und die Flasche mit Säure fällt mir auf den Rücken. Jetzt endlich durchbricht mein Todesschrei die Stille, als sich die Säure durch meinen Körper frisst und eine schaumige cremeartige Substanz hinterlässt. Mein letzter Eindruck ist eine große Gestalt, die vor mir steht, bewaffnet mit einem Eimer und einem Schaber. Der Meister ist gekommen, um seine Pflegecreme zurück zu verlangen...
  • Kleinod bedeutet ursprünglich etwas Kleines, eine Kleinigkeit oder ein Gastgeschenk. Später wurde der Begriff für eine fein und zierlich gearbeitete Sache, ein zierliches Schmuckstück (Ring, Kette, Agraffe) und in wirklichem und übertragenem Sinn für alles Wertvolle verwendet. * in der Ordenskunde das Ordenszeichen, häufig in Kreuzform. * die Verzierung eines Ritterhelmes (Heraldik), Helmkleinod * auch ein Begriff in der Religion, in der es als Geschenk Gottes interpretiert werden kann. Aus rund 2000 Vorschlägen hat ein unabhängiges Expertengremium im Juni 2007 beim Wettbewerb "Das bedrohte Wort" den Begriff Kleinod als Siegerwort prämiert. Quelle: * , vom 07.02.08, um 00:22.
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